Sebastian-Nicaragua

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Nicaragua

Nicaragua, das kleine mittelamerikanische Land zwischen Honduras im Norden und Costa Rica im Süden, erfreut sich heute bei weitem nicht mehr der internationalen Aufmerksamkeit und Solidarität wie noch zwischen 1979 und 1990. Nachdem die Sandinisten unter Führung der FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional - Nationale Sandinistische Befreiungsfront) 1979 auf revolutionärem Wege das Land von der grausamen Diktatur Anastasio Somozas befreien konnten, engagierten sich in den 1980er Jahren staatliche wie auch nichtstaatliche Organisationen in Nicaragua, das sicherlich neben der uneigennützigen Hilfe zahlreicher Verinigungen auch von der geopolitischen Weltlage dadurch profitierte, dass Regierungen beider Machtblöcke durch umfangreiche Entwicklungszusammenarbeit Nicaragua in den eigenen Einflussbereich integrieren wollten. Doch auch die sich abzeichnenden Folgen des Bürgerkrieges, den die Contras ab 1981 mit Unterstützung der USA führen konnten, der das ohnehin schon ausgeblutete Land weiter belastete, riefen das Engagement zahlloser Tatkräftiger auf den Plan. Doch mit der Abwahl der sandinistischen Regierung unter Daniel Ortega nur elf Jahre nach ihrem Sieg zogen sich ebenso zahlreiche Helfer auch wieder zurück, enttäuscht von der politischen Wende.

Die folgenden Jahre und Regierungen brachten Nicaragua eher traurigen Ruhm: Korruption (immerhin erlangte das kleine Land Platz 4 auf der Liste der korruptesten Staaten) und Naturkatastrophen (am schrecklichsten der Hurrican "Mitch" im Jahre 1998) stürzten das Land in immer größere Armut, so dass es heute nach Haiti das zweitärmste der zentralamerikanischen Region ist.

So genannte neoliberale "Strukturanpassungsprogramme" führten in der Folge dazu, dass Bildung und Gesundheit - eigentlich verfassungsmäßige Grundrechte aller Nicaraguaner - für viele nicht mehr bezahlbar wurden: Die Analphabetenquote - unter den Sandinisten von 60 % auf 12 % gesunken! - stieg kontinuierlich; die Zustände in den staatlichen Krankenhäusern sind oftmals unhaltbar, fehlt es doch an Medikamenten, Verbandszeuf, Bettwäsche und Nahrung. Es fehlt an allem. Menschen müssen wieder an den einfachsten, normalerweise gut zu therapierenden Krankheiten sterben.

Auch die weitere Ausbreitung der berüchtigten "zonas francas", der Freihandelszonen, in denen in riesigen Textilfabriken Frauen unter nahezu sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen Kleidung auch für unseren Markt produzieren, sind neben den bereits erwähnten ein weiterer wesentlicher Grund, gerade auf den elementar wichtigen Sektoren von Bildung und Gesundheit zu arbeiten, um den Menschen in Nicaragua - in meinem Fall den Bewohnern von La Paz Centro - die Chance zu geben, mittels besserer Qualifizierung einen angemessenen Zugang zum normalen Arbeitsmarkt und damit zur Verbesserung der eigenen Lage zu bieten.